Ralf Bauer, Senior Vice President bei CGI, im Gespräch mit Prof. Dr. Martin Przewloka, Vorstand des DAS-Instituts, und Prof. Dr. Martin Rupp, Dekan an der Provadis Hochschule.

Wie entstand die Idee, ein Institut insbesondere in dem Bereich „Digitale Assistenzsysteme“ zu gründen?
Ralf Bauer: Wir sind tagtäglich in Gesprächen mit unseren Kunden, unseren Mitarbeitern und externen Partnern. Je intensiver die Gespräche, desto klarerer wird, dass Themen, Technologien, Prozesse immer stärker miteinander vernetzt sind und man Zeit und Möglichkeiten braucht, um sich unbeeinflusst Gedanken machen zu können, was die übernächsten Schritte dieser Entwicklung sind und wie wir diese gemeinsam mit unseren Kunden gehen können. Daher war es relativ schnell offensichtlich, dass wir diese unabhängige Plattform brauchen, um losgelöst vom „Daily Business“ neue Wege gehen zu können.
Prof. Dr. Martin Przewloka: Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Themenfeld Künstliche Intelligenz und dessen Anwendungen. Die aktuellen Entwicklungen, insbesondere auch die jüngst getroffenen politischen Entscheidungen in diesem Umfeld, haben mich dazu bewogen, meinen Aktivitäten einen formelleren Rahmen zu geben. Das jetzt entstandene Institut führt meine Arbeiten fort, erlaubt mir damit aber auch, durch den Abschluss von Partnerschaften, insbesondere mit CGI, und der Beantragung von Fördermitteln, noch schneller voranzuschreiten.
Prof. Dr. Martin Rupp: Das Thema Künstliche Intelligenz sehe ich als ganz große Chance für unseren Fachbereich Wirtschaftsinformatik, weil sich mit den Mitteln der Künstlichen Intelligenz eben ganz neue Möglichkeiten für Anwendungen im Wirtschaftsbereich ergeben. Der Transfer von Grundlagenforschung in die Anwendung passt auch ausgezeichnet für eine Hochschule.
 
Herr Professor Przewloka, Herr Professor Rupp, was schätzen Sie an CGI als Ihrem Partner?
Prof. Dr. Martin Przewloka: Ich habe CGI als sehr offenes, kundenfokussiertes und mit großem Weitblick – was die Thematik des sinnvollen Einsatzes von Technologien angeht – voranschreitendes Unternehmen kennengelernt. Dies manifestiert sich zudem in der mir durch diese Partnerschaft gegebenen Möglichkeit, junge Talente von CGI als Studenten in die Forschungsprojekte des Instituts direkt einzubinden.
Prof. Dr. Martin Rupp: CGI ist nicht nur unser wichtigster Key-Account-Partner im Fachbereich, sondern ich schätze vor allem die sehr positive Dynamik, die sich hieraus für die Studierenden von CGI an der Provadis entwickelt haben.
 
Herr Bauer, was schätzen Sie an der Provadis Hochschule als weiteren Partner?
Ralf Bauer: Zunächst einmal ist es mir wichtig festzuhalten, dass die Zusammenarbeit mit der Provadis eine wirkliche Partnerschaft ist, bei der beide Seiten sich einbringen und jederzeit versuchen, den Level der Ergebnisse und die Qualität der Interaktion zu verbessern. Besonders schätze ich bei der Provadis den Pragmatismus, die Offenheit und die Verbindlichkeit in der täglichen Zusammenarbeit sowie die effiziente Einbringung neuer Ideen und den Willen zur Weiterentwicklung.
 
Was ist Ihre Vision für das DAS-Institut,  Herr Professor Przewloka?
Prof. Dr. Martin Przewloka: Ich möchte erreichen, dass wir mit den Arbeiten am Institut dazu beitragen, den Standort Deutschland gerade im Hinblick der Domäne der Künstlichen Intelligenz voranzubringen. Dieses Thema ist zwar tagtäglich in der Presse, aber wir müssen es nun viel forscher und selbstbewusster angehen und insbesondere einen sehr schnellen Transfer von der Wissenschaft in die Anwendung umsetzen. Gerade hier setzt das Institut an, und CGI hat diese Chance als Industrieunternehmen sofort erkannt.
 
Wie wird das Institut gesteuert und koordiniert?
Ralf Bauer: Inhaltlich und fachlich wird das Institut von Herrn Professor Dr. Przlowka gesteuert, den ich als Fachexperten sehr schätze. Dies ist eine sehr bewusste Entscheidung, da gerade nicht der „hartkalkulierte Business Case“ im Vordergrund stehen soll. Ganz im Gegenteil wollen wir hier bewusst Raum für neue Ideen und Querdenker einräumen, denn nur so kann auch wirklich ganz Neues und ggfs. auch Revolutionäres entstehen.
Prof. Dr. Martin Przewloka: Wir haben – neben einer operativen Organisationsstruktur mit meiner Person als Institutsleiter – im Rahmen der Gründung zusätzlich einen Beirat geschaffen. Dabei war mir die Industriebeteiligung durch CGI und die Hinzunahme eines Vertreters der Provadis Hochschule besonders wichtig. Nur so schaffen wir es, dass wir den angesprochenen Transfer, aber auch umgekehrt die Impulse des Marktes und der Studierenden direkt in das Institut zurückfließen lassen und damit sicherstellen, dass wir mit unseren Anwendungen und Entwicklungen unmittelbare Mehrwerte schaffen.
 
Herr Bauer, welchen Mehrwert können Sie Kunden in Bezug auf das Institut und die Forschungsfelder bieten?
Ralf Bauer: Unsere Kunden suchen nach innovativen Lösungen, die ihnen im Tagesgeschäft einen echten Nutzen bringen. Durch die Partnerschaft mit dem Institut und den Forschungsfeldern wollen wir die Lücke zwischen dem Stand der Forschung und der praktischen Anwendung gemeinsam und schneller schließen. Gerade für Machbarkeitstudien/Proof Of Concepts liegt in der Kombination der  globalen Beratungsleistung und operativen Erfahrung von CGI mit den Möglichkeiten und Kenntnissen des Instituts eine einmalige Chance für Kunden, die Möglichkeiten von Assistenzsystemen direkt zu erleben.
 
Für welche Branchen/Industrien sind bzw. werden digitale Assistenzsysteme immer wichtiger?
Ralf Bauer: Letztlich werden Agenten und Assistenzsysteme alle existierenden Geschäftsprozesse auf die eine oder andere Weise beeinflussen. Neben der intelligenten Automatisierung von Prozessen mit oder ohne humaner Interaktion wird das Thema IoT-Integration und autonome Systeme immer wichtiger. Die entsprechende Unterstützung von Tätigkeiten von Ärzten, Bankberatern und Rechtsanwälten steht ja noch am Anfang. CGI hat bereits Anwendungen entwickelt, die z. B. die Anlageberatung im Wealth Management unterstützen bzw. übernehmen. Im regulatorischen Umfeld werten Systeme Gesetzesänderungen und ihre Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse automatisiert aus. Hier wird sich auch die Dienstleistungsindustrie mehr und mehr verändern, und es wird noch Anwendungsfälle geben, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.
Prof. Dr. Martin Przewloka: Digitale Assistenzsysteme werden sämtliche Bereiche der Industrie, Dienstleistung bis hin zum Privatleben durchdringen. Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, diese Systeme ausschließlich als eigenständige Produkte, wie bspw. einen Roboter, zu sehen. Sie werden sich vielmehr nahtlos in den beruflichen und privaten Alltag der Menschen integrieren und uns alle unterstützen. Es wird keine Branche geben, die hiervon unberührt bleibt.
 
Können Sie uns bereits Praxisbeispiele nennen, damit diese Initiative noch besser verständlich wird?
Ralf Bauer: Intelligente Lernende Systeme von CGI unterstützen bereits heute zum Beispiel in der Betrugsvermeidung oder im Geldwäsche-Umfeld. Neben der Geschwindigkeit und der Möglichkeit, einfach zusätzliche Kapazitäten nach Bedarf dazu zu schalten, hat sich die Qualität der Bewertungen erhöht.
Ähnliche Erfahrungen gab es zum Beispiel in der Medizin, z. B. bei der Bewertung von Laborergebnissen oder Röntgenbildern: Durch Big Data und Künstliche Intelligenz haben die Systeme Zugriff auf mehr Daten und übertreffen im Einzelfall bereits die Leistungen von erfahrenen Experten.
Unsere Portfolio-Management-Lösung nutzt Assistenten, um Anlagen hinsichtlich ihres Potentials und Risikos auf der Basis von umfangreichen Daten automatisch zu bewerten. Der Bankberater und der Kunde kann also auf bessere Informationen zur Wahl seines Bankproduktes zugreifen. Da die Kosten niedriger sind als die eines erfahrenen Anlageberaters, kann diese Dienstleistung auch für kleinere Anlagebeträge als bisher genutzt werden.   
Prof. Dr. Martin Przewloka: Sehr gerne: Denken Sie bspw. an die gesamte Steuerung der industriellen Wertschöpfung, angefangen bei der Produktionsplanung bis hin zur Logistik zum Endkunden. Unsere Wirtschaft wird mehr und mehr verteilt arbeiten, Kapazitäten über Firmen- und Ländergrenzen hinweg wie selbstverständlich nutzen. Die damit verbundenen Steuerungssysteme können von einem einzelnen Menschen aufgrund der damit entstehenden Komplexität nicht mehr beherrscht werden. Ein digitaler Assistent, als ständig hinzulernendes System, unterstützt den Menschen im Rahmen sämtlicher Routineprozesse, ohne seine finale Entscheidungshoheit in Frage zu stellen. Wir werden uns aber auch mit Themen beschäftigen müssen, die heute noch große Bedenken und Unsicherheit auslösen: Digitale Assistenzsysteme in der Medizin beispielsweise. Aber auch hier gilt: Die finale Entscheidung wird weiterhin ein Mensch treffen.
 
Welche weiteren Publikationen sind nach der Gründung des DAS noch geplant zur weiteren Vermarktung?
Ralf Bauer: Die wissenschaftlichen Publikationen und Vermarktung des Instituts als solches sind sicher eher das Thema von Herrn Professor Przewloka.
Wir streben an, die Initiative und die Inhalte mit unserem eigenen Innovationsprogramm zu verknüpfen.  Hier würden wir die Möglichkeiten wahrnehmen und das DAS auch in unserem Tagesgeschäft einsetzen. Über die Zeit wollen wir aus den Forschungsergebnissen eben konkrete Lösungen für unsere Kunden identifizieren und innerhalb eines Kundensetups einsetzen. Hier wollen wir, dass unsere Mitarbeiter Ideen entwickeln und im Idealfall zusammen mit Kunden und dem DAS konkretisieren. Ein Member kann sowohl als Student aber auch als Ideengeber, Subject Matter Expert (SME) oder Sponsor mit dem DAS zusammenarbeiten. Ob und wie man diese Fälle dann extern vermarktet, werden wir dann sehen. 
 
Welchen Zeitrahmen schätzen Sie von der Forschungsarbeit bis zur Marktreife einer innovativen Idee?
Ralf Bauer: Es kommt sicher darauf an – aber letztlich wollen wir durch den Schulterschluss zwischen uns und dem Institut den Praxisbezug verstärken und unseren Studenten und Mitarbeitern bzw. letztlich unseren Kunden schnelleren Zugriff auf die Ergebnisse von Forschungsarbeiten und Machbarkeitsstudien ermöglichen. Wichtiger wäre es mir, dass eine innovative Idee überhaupt erstmal konkreter in eine Umsetzung für einen Kunden kommt.
Prof. Dr. Martin Przewloka: Wir arbeiten im Institut sehr anwendungsorientiert. Grundlagenforschung führen wir nicht aus. Insofern ist es unser Anspruch, dass unsere Ergebnisse direkt in Prototypen überführt werden können und sich von hier aus im Erfolgsfall weiterentwickeln. Dieser Prozess wird maßgeblich dadurch beschleunigt werden, dass Studierende von CGI nach der Institutsarbeit ihr Wissen in die Industrie mitnehmen und so noch schneller industriell adaptieren können. In der Vergangenheit haben wir gezeigt, dass wir mit vergleichbaren Ansätzen funktionsfähige Prototypen und sogenannte Proof-Of-Concept-Lösungen bereits in weniger als drei Monaten nach Abschluss einer Forschungsarbeit realisieren konnten.
 
Wie genau sieht die Unterstützung seitens Ihnen, Herr Professor Przewloka, aus und welchen Mehraufwand, aber auch Nutzen haben Studenten mit solch einer intensiven Forschungsarbeit?
Prof. Dr. Martin Przewloka: Ein wesentlicher Erfolgsaspekt wissenschaftlichen Arbeitens ist die klare Fokussierung. Meine industrielle und wissenschaftliche Erfahrung wird den Studierenden helfen, strukturiert und zielorientiert an Forschungsprojekten zu arbeiten, wenngleich deren Ergebnisse offen sind. Aber genau dies macht es so spannend und stellt einen wichtigen Erfahrungsabschnitt einer hochwertigen Ausbildung dar. Sollten sich ausgewählte Studierende im Nachgang für eine wissenschaftliche Karriere entscheiden wollen, so werde ich diese ebenfalls unterstützen. In jedem Fall werden alle Institutsmitarbeiter sowohl die inhaltlichen, aber insbesondere die bei uns in der Praxis erfahrenen methodischen Ansätze des wissenschaftlichen Arbeitens in ihrer weiteren beruflichen Praxis und Karriere gewinnbringend einsetzen können.