Wer bist du? Die Antwort auf diese Frage liefert die Identität. Mit ihr geben Kunden eine Antwort auf die Frage, ob sie sind, wer sie vorgeben zu sein, und sie unterstützen andere bei der Entscheidung, ob sie mit ihnen Geschäfte machen wollen. Insbesondere innerhalb des Finanzsektors spielt diese Frage eine zentrale Rolle, denn Finanzinstitute sehen sich einer Reihe von Risiken ausgesetzt, wenn die Identitätsfrage nicht abschließend geklärt ist. Sanktionsverstöße, Beteiligung an Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung sind Beispiele dafür. Die Folgen reichen von Reputationsschäden über Strafzahlungen bis hin zum Entzug der Lizenz. Doch ausgerechnet bei der Beantwortung dieser wichtigen Frage werden die Möglichkeiten der Digitalisierung kaum genutzt, um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gewinnbringend zu revolutionieren.

Ein zentraler Prozess mit Hindernissen

Genauigkeit ist bei der Kundenidentifizierung für Finanzinstitute entscheidend. Sie soll durch umfangreiche gesetzliche Anforderungen für Know-Your-Customer (KYC)-Prozesse zur Identifizierung des Kunden sichergestellt werden. Für ihre Effizienz sind diese Prozesse nicht bekannt. Oft wird die Überprüfung der Kundenidentität manuell durchgeführt. Sammlung und Abgleich der benötigten Informationen sind zeitaufwendig, ressourcen- und kostenintensiv und erfordern häufige Nachfragen beim Kunden - Unannehmlichkeiten sind da vorprogrammiert. Die traditionelle Methode zur Durchführung solcher Aufgaben schafft keinen monetären Wert. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, um die Einhaltung von Vorschriften zu gewährleisten. Der Wert ergibt sich fast ausschließlich aus der Vermeidung von Finanzkriminalität. Die operative Last des Identifizierungsprozesses und das Risiko einer schlechten Customer Experience müssen daher tagtäglich gegen die Nachteile unklarer Identitätsaufzeichnungen abgewogen werden.

Revolution durch digitale Identifizierungsnetzwerke

Doch geht das nicht besser? Die letzten Jahre waren geprägt von der technologischen Weiterentwicklung elektronischer Datenbanken, von Kryptographie, Blockchain und Schnittstellen-Technologie. Entwicklungen, die nun den Weg für eine Revolution im Bereich der Identifizierung ebnen könnten: in Form von digitalen Identitätssystemen und Identifizierungsnetzwerken.

Unter digitalen Identitätssystemen versteht man die Verwendung elektronischer Mittel zur Feststellung, Validierung, Bestätigung und Speicherung der Identität einer Person. Die Systeme folgen dem traditionellen KYC-Prozess, mit dem Unterschied, dass die meisten Elemente elektronisch sind. Enthält ein digitales Identitätssystem portable Komponenten, kann die digitale Identität einer Person mit Dritten geteilt werden. Und mehrere Parteien können sich zu einem digitalen Identifizierungsnetzwerk zusammenschließen. Hat ein Netzwerkteilnehmer die Identität einer Person festgestellt und überprüft, kann der digitale Identitätsnachweis dieser Person von anderen Teilnehmern innerhalb des Netzwerks genutzt werden. Damit kann die Kundenidentität beim Eingehen neuer Geschäftsbeziehungen geprüft werden, ohne jedes Mal selbst die Daten vom Kunden anfordern, prüfen und validieren zu müssen.

Doch sich bei der Frage nach der Identität auf Dritte zu verlassen, erfordert Vertrauen in die Validität der bereitgestellten Informationen. Kaum jemand ist hier besser geeignet als Finanzinstitute. Denn bei ihnen sind die Prozesse zur Feststellung und Überprüfung der Kundenidentität nicht nur fest im normalen Geschäftsablauf verankert. Sie werden auch streng durch den Gesetzgeber reguliert und überwacht.

Innovative Einnahmequelle

Das zeigt sich bei den ersten digitalen Identifizierungsnetzwerken, die mit GOV.UK Verify in Großbritannien, Verified.Me in Kanada oder Verimi in Deutschland bereits im öffentlichen und privaten Sektor in Betrieb sind. Immer mit dabei sind Vertreter aus der Finanzdienstleistungsbranche. Denn mit der Umstellung auf digitale Identifizierungslösungen lassen sich für diese nicht nur ein Großteil der Reibungsverluste im traditionellen KYC-Prozess beseitigen, sondern noch weitere Vorteile realisieren.

Der primäre Vorteil von digitalen Identitätssystemen und der Teilnahme an einem digitalen Identifizierungsnetzwerk liegt in der Steigerung der Effizienz im KYC-Prozess. Das Personal benötigt weniger Zeit für die Überprüfung von Dokumenten. Mit einem Beitritt zu einem digitalen Identitätsnetzwerk kann ein Großteil der ressourcenintensiven Arbeitsschritte sogar ganz entfallen. Das ermöglicht es Finanzinstituten, wesentliche Zeit- und Kostenersparnisse zu erzielen. Die Erhöhung der Effizienz im Kundenidentifizierungsprozess hat noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt. Schlankere Prozesse bei der Kundenannahme verbessern die Customer Experience: Wer optimierte Benutzererfahrungen bietet, erhöht die Wettbewerbsfähigkeit.

Doch wer sich heute richtig positioniert, kann in Zukunft noch ganz anders profitieren. Denn wer weiterhin Verantwortung und Aufwand für die Zusammenstellung der benötigten Informationen übernimmt, hat die Möglichkeit, Informationen in digitalen Identifizierungsnetzwerken gegen Gebühr zur Verfügung zu stellen. Dadurch besteht die Option, das eigene Geschäft zu erweitern. Finanzinstitute können zum „trust broker“ werden und Identitätsdienste anbieten, nicht nur im eigenen Sektor, sondern auch über dessen Grenzen hinaus - wie zum Beispiel im öffentlichen Bereich. Die Durchführung des KYC-Prozesses dient dann nicht mehr ausschließlich der Vermeidung von Finanzkriminalität, sondern wird zur zusätzlichen Einnahmequelle.

Gesetze clever umsetzen

Die eindeutige Feststellung der Identität einer Person wird immer ein zentraler Prozess für Finanzinstitute bleiben, um zu entscheiden, ob eine Geschäftsbeziehung zum Neukunden eingegangen werden soll, um Vorschriften einzuhalten und Finanzkriminalität vorzubeugen. Doch der Prozess muss keine operative Last ohne monetären Mehrwert bleiben. Digitale Identitätssysteme und Identifizierungsnetzwerke haben das Potential, die Art und Weise zu revolutionieren, wie Finanzinstitute ihre Kunden identifizieren – effizient, benutzerfreundlich, gewinnbringend.

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Über diesen Autor

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Cosima Moritz

Lead Consultant, Anti-Financial Crime

Cosima Moritz berät als Lead Consultant in den Bereichen Banking und Payments zu den Themen Regulatory Compliance und Fraud-Prevention. Innerhalb der CGI ist sie fachliche Ansprechpartnerin für CGIs Compliance & Anti-Financial Crime Plattform HotScan360, welche Kunden beim Schutz vor Finanzkriminalität unterstützt.

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