Mobile Geräte wie Handys und Tablets sind heute vor allem im Retailbanking nicht mehr wegzudenken. Das fast schon klassische Telefonbanking wird mehr und mehr durch verschiedenste Apps abgelöst. Die Apps bieten vielfältige Dienste an: Sie reichen von der Abfrage von Konten und Aktienkursen über „Geldbörsen“, Überweisungen oder Haushaltsbüchern bis hin zur „Online-Beratung“.

Wie schnell das Thema „Mobile Endgeräte“ eine noch größere Bedeutung erfährt, sehen wir derzeit durch die veränderte Situation im Zusammenhang mit Covid-19. Der stationäre Vertrieb in den Filialen wurde stark ausgedünnt. Und man wird sich sicherlich darüber hinaus die Umsatzauswirkungen anschauen und im Anschluss überlegen, welche Filiale vor Ort noch zwingend erforderlich ist. Möglicherweise kann sie durch eine „Online-Beratung“ oder die Nutzung Digitaler oder besser Mobiler Dienste ersetzt werden.

Mobilapps beschleunigen die bargeldlose Gesellschaft

Gerade die Nutzung von Bargeld und der damit verbundene mögliche Übertragungsweg für Viren ist bei einigen Händlern inzwischen ein weiterer Grund, den Fokus auf alternative mobile Zahlungsformen wie Karten oder Apps zu legen. Neben der Abschaffung von großen „Geldscheinen“ oder „kleinen“ Münzen wird auch hier der Schwenk vom Bargeld hin zur Kartenzahlung und gerade zu mobilen Apps vollzogen. Vor allem dann, wenn das Mobilgerät hier deutlich mehr Möglichkeiten bietet als die „einfache“ Kartenzahlung oder diese sogar übernimmt. Das Handy wird somit zur intelligenten „Geldbörse“ mit Zusatz oder ergänzenden Leistungen. Dazu gehören etwa die direkte Kontoführung oder die Integration mit Kredit- oder anderen Finanzdienstleistungen. Banken, neue Einsteiger wie FinTechs, aber auch IT-Dienstleister oder Mobilfunkdienstleister sind hier gefordert, mit innovativen Ideen diesen neuen Herausforderungen weiter zeitnah zu begegnen.

Neue Lösungen im Corporate Banking

Im Corporate Banking kommen jetzt analoge Anwendungen auf den Markt, die Lösungen und Dienstleistungen für Mobilgeräte auch für Unternehmer anbieten. So präsentiert zum Beispiel die „Danske Bank“ eine mit Invoice Service (von CGI) kombinierte Lösung für Organisationen, um Rechnungen direkt auf mobile Endgeräte zu übertragen. Die MobilePay-Lösung verbessert dabei nicht nur die Nutzererfahrung von Kunden und Mitarbeitern, sondern bietet gleichzeitig eine realtime-Überwachung von Rechnungen und Zahlungen für Kunden und Unternehmer an. Mehr als eine Million Nutzer ist bereits mit diesem Service vertraut.

In Kombination mit anderen Dienstleistungen wie etwa bei OP Business Mobile können sich Unternehmer mit Hilfe ihres Handys nicht nur über eine sichere Chat-Verbindung mit ihrem Bankberater – menschlich oder als KI – austauschen, sondern auch entsprechende Informationen und Aufträge abgeben. Sie können Investments, Finanzierungen oder Steuererklärungen abfragen oder sogar gleich abschließen bzw. abgeben.

IoT und 5G als Grundlage für neue Prozesse

Spannend ist die Entwicklung auch im IoT- und 5G-Umfeld, wo intelligente Prozesse über mobile Verbindungen auch Finanztransaktionen auslösen bzw. abwickeln:

Erste Banken kombinieren ihre Kreditbriefe mit Logistikketten, um so bei erfolgter Lieferung automatisch eine entsprechende Zahlung auszulösen.
In Singapure wird bereits eine flächendeckende Sichere Digitale Infrastruktur (Secure Digital Ecosystem) auf der Basis von Blockchain projektiert, die automatische Verarbeitungen auf der Basis von hinterlegten Logiken als SmartContracts ermöglicht.
Auch in anderen Ländern sind Banken und Unternehmen dabei, die physische und „digitale“ Welt mehr und mehr zu integrieren. Geräte bestellen selbsttätig nicht nur Nachschub oder Ersatzteile, sondern geben letztlich auch Informationen zurück, die sich auf Zahlungen oder andere Wertschöpfungen auswirken.
In Deutschland sind auch hier erste Piloten live, die einen ersten Eindruck der neuen Möglichkeit des „Mobilen Banking“ geben.

Banken müssen innovativ bleiben

Banken müssen sich nicht nur mit den entsprechenden Technologien beschäftigen, sondern auch die Anwendungsmöglichkeiten – zusammen mit ihren Kunden oder Partnern – entwickeln. Sowohl in den jährlichen Umfragen von CGI als auch in der spezifischen Bewertung von Geschäftsbanken (CGI Transaction Banking Survey 2019) fordern Geschäftskunden von ihrem Bankdienstleister mehr „Integration“ und realtime-Dienstleistungen im Sinne eines gemeinsamen Ecosystems. Am liebsten wäre ihnen ein Kanal, der ihnen alle relevanten Informationen anbietet und diese gleich mit entsprechenden Angeboten verknüpft.

Die Idee des Open Bankings ist dabei für 79 Prozent der befragten Unternehmen eine gewünschte Innovation, um in Zukunft ihre Dienstleistungen abzuwickeln - gerne auch mit unterschiedlichen Anbietern. Hier wird dann der Begriff des Mobile Banking zu einem Risiko, wenn sich das „Mobile“ auf die Wechselmöglichkeit bezieht. Im Mobilfunkumfeld gibt es analog Entwicklungen, wo für den Endkunden der eigentliche Dienstleister nicht mehr transparent ist. Hier sind im Bankenumfeld die Fintechs genannten Dienstleister sowohl ein sinnvoller Partner als auch ein möglicher Konkurrent.

Realtime-Prozesse und Sicherheitsanforderungen

Am Ende zählen für Geschäftskunden der Nutzwert und die Sicherheit der Lösung. Kunden wollen eine einheitliche realtime-Sicht auf alle (!) ihre Bankgeschäfte, die natürlich adäquat abgesichert ist. Gerade Payment- und Treasury-Funktionen stehen dabei insbesondere in Bezug auf eventuelle Lieferketten ganz oben auf der Wunschliste – zum Beispiel im Zusammenspiel mit der Außenhandelsfinanzierung, aber auch mit dem Asset Management und dem Risikomanagement.

In Bezug auf die Sicherheit wünschen sich Kunden Unterstützung im Sinne einer Know Your Customers (KYC) und einem Onboarding auch Möglichkeiten, die Verlässlichkeit und das Risiko eines möglichen Geschäftspartners in irgendeiner Art und Weise abzusichern. Neben den oben angesprochenen Themen in der Logistik stehen auch die automatische Auswertung von Informationen durch KI-Agenten und eine Aufbereitung, etwa für eine bestimmte Industrie oder einen Standort, hoch im Kurs. Eine Thematik, die auch wieder von der aktuellen Corona-Virus-Diskussion und den damit verbundenen Lieferkettenbrüchen oder Lieferengpässen eine hohe Relevanz bekommen hat.

Banken als Integrator

Wichtig ist es also für Geschäftsbanken, ihre Dienstleistungen offen anzubieten und idealerweise als Integrator mit einer entsprechenden Absicherung zu fungieren. Das effektive Onboarding von Partnern und Kunden sowohl im Hinblick auf das Geschäftsrisiko als auch aus im Hinblick auf ein „einfaches“ System bzw. einen unkomplizierten Datenzugriff ist dabei ein grundsätzlicher Wunsch.

Mittels einer auf API- und Services ausgerichteten Plattform würden Banken in einem Ecosystem, bestehend aus Kunden, Partnern aber auch Mitbewerben, agieren. Eine übergreifende Sicherheit und Data Governance wird dabei - nicht viel anders wie bei Privatkunden - zu einem notwendigen Kriterium bei den Unternehmen, die sehr viel Wert auf Transparenz der Nutzung bzw. Bewertung sowohl inhaltlich als auch im Kontext von Beratung legen. Wie viel Mobilität dann am Ende wirklich gewünscht ist, dürfte sich dann im Einzelfall entscheiden. Wir beraten Sie gerne in diesen Fragen.

Über diesen Autor

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Stefan Röther

Director Consulting Services im Bereich Public & Private Banks

Stefan Röther ist Director Consulting Services im Bereich Public & Private Bank und ist seit 20 Jahren im Projektgeschäft tätig. Als Projekt und Releasemanager liegen seine Schwerpunkte in der Beratung, Prozessgestaltung und Qualitätssicherung komplexer Großprojekte in diversen Branchen. Durch Bankausbildung und Studium ...

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