Der Informationsvorsprung als wichtigstes Element

Jede Unternehmung oder Aufgabe im heutigen technischen Zeitalter unterliegt den Paradigmen einer hohen Schnelllebigkeit und Volatilität. Die Verlässlichkeit von Annahmen und Routinemustern wird aufgrund der technologischen Dynamik und der fast unendlichen Verfügbarkeit an Informationen und Daten sehr oft zum Spannungsfeld von Entscheidungen. Mit den Entwicklungsstadien der Industrie, beginnend mit der Dampfkraft, als Industrie 1.0, über Massenfertigung und Fließbandproduktionen (als zweite industrielle Revolution) und mit dem Einsatz von Elektronik und IT in der dritten Revolution mündet das Stadium 4.0 in den digitalen Wandel der Industrie und wird daher auch in den militärischen Kontext adaptiert.

Dieser Wandel vollzieht sich hierbei in den Technologiefeldern der Streitkräfte und der Rüstungsbranche. Es entsteht ein Fortschritt im Umgang mit Informationen, die die notwendige Basis von militärischen Entscheidungen und Situationen bildet. Zwar sind militärische Auseinandersetzungen in jedem Fall zu vermeiden, dennoch sind sie aber gerade in der aktuellen Welt leider offenbar unvermeidbar. Es gilt daher unsere Einsatzkräfte unter Zuhilfenahme aktueller Technologien zu unterstützen und ihren Einsatz so sicher wie möglich zu machen.

Ausgehend von der Begrifflichkeit „Industrie 4.0“ sind somit auch Technologien und Innovationen unter dem Schlagwort „Gefechtsstand 4.0“ zu finden.  Grundsätzlich ist darunter ein Organisationsgestaltungskonzept zu verstehen, das auf viele Bereiche und Institutionen abbildbar ist. Dieses Gestaltungskonzept umfasst vier Grundprinzipien: Vernetzung, Informationstransparenz, technische Systeme und cyberphysische Systeme. Im Endeffekt ist die einflussreichste Stellschraube, und damit das Kondensat der vier Prinzipien, der Informationsvorsprung in militärischen Handlungen. Es gibt historisch ausreichend Beispiele, wie kriegerische Handlungen durch Unterstützung von Nachrichtenwesen und Informationsgewinnung signifikante Veränderungen erfahren haben. Daher spielt damals wie heute das Wissen von Information eine prägnante und entscheidende Rolle. Das erste Prinzip von Industrie 4.0 lässt sich damit verlustfrei auf die Erfordernisse im militärischen Alltag transformieren. Die „Vernetzung von Daten und Informationen“, als Grundlage einer gemeinsamen Informationsbasis für Entscheidungen, spielen hierbei eine immense Rolle.

Die Überlegungen zum Gestaltungsprinzip „Gefechtsstand 4.0“ gehen aber noch weiter. Informationstransparenz und der Einsatz von cyberphysischen Systemen sind ebenfalls Grundlagen, die heutzutage in den militärischen Fokus rücken. Nichtsdestotrotz sind, neben unterstützenden Leistungen durch informationstechnische Assistenzsysteme, Entscheidungen zu treffen und Aufgaben möglichst autonom zu erledigen. Inwieweit in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Störungen oder Zielkonflikten, Entscheidungen autonom getroffen werden, sind nicht nur aus technischer, sondern auch aus moralischer Sicht zu bewerten.

Der Nebel des Krieges

Gerade in einem hoch dynamischen und unbeständigen Umfeld, wie es sich aus einer militärischen Krisensituation heraus ergibt, ist es wichtig, die wesentliche Information, im relevanten Kontext im richtigen Moment aus der Vielzahl an Informationsprovidern zu extrahieren. Hierbei sollte immer der Anspruch bestehen, eine Entscheidung mit dem größtmöglichen Grad an Informationsumfang und -sicherheit zu treffen, um sowohl die Folgen, als auch die Folgesfolgen und Umstände beleuchten und bewerten zu können.

Gerade aber im militärischen und verteidigungspolitischen Kontext kann dieser Umstand nicht gewährleistet werden. Daher stammt auch die Definition und das Verständnis von Carl von Clausewitz in seinem Buch „Vom Kriege“, die strategische Notwendigkeit, Entscheidungen unter Zeitdruck mit unvollständigen Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen: „Der Krieg ist das Gebiet der Ungewissheit; drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewissheit. Hier ist es also zuerst, wo ein feiner, durchdringender Verstand in Anspruch genommen wird, um mit dem Takte seines Urteils die Wahrheit herauszufühlen.“

Es gilt also hierbei, den „Nebel des Krieges“ so weit wie möglich aufzulösen, um eine höhere Reliabilität und Gewissheit bei der Entscheidung und damit der „Absicht der übergeordneten Führung“ herbeizuführen.

 

Ausblick

In Teil zwei dieses Beitrages wird dargestellt, wie wir mit Hilfe von aktuellen Technologien und innovativen Lösungen eine größtmögliche Unterstützung bei der Bereitstellung von Informationen gewährleisten. Dadurch wird die Gefechtsstandsarbeit und die Qualität der Basis von militärischen Entscheidungen maßgeblich gefördert und der „Fog of War“ weitestgehend verringert. Weiter ...

 

Über diesen Autor

Picture of Jens Dell’Anna

Jens Dell’Anna

Senior Consultant

Mit seiner langjährigen militärischen Erfahrung entwirft Jens Dell‘Anna ein ganzheitliches Portfolio für die Streitkräfte und unterstreicht damit die enge Zusammenarbeit zwischen CGI und den Behörden mit Sicherheitsaufgaben. Sein Ansatz ist hierbei die Abkehr vom klassischen Single-Vendor Ansatz hin zum Multi-Provider für Übungen und Einsätze im ...

Kommentar hinzufügen

Comment editor

  • No HTML tags allowed.
  • Lines and paragraphs break automatically.
Blog-Richtlinie und Nutzungsbedingungen