Dass sich gerade die Finanzindustrie in Richtung Digitalisierung entwickelt, dürfte niemanden mehr überraschen. Doch der Weg dahin ist alles andere als einfach. Befragt zu den wesentlichen Problemen in Richtung Digitalisierung, sehen 88 Prozent unserer Kunden aus der Bankenindustrie das Thema „Legacy“ – um nicht das Wort „IT-Altlast“ zu verwenden – als eine der größten Hürden.

Im Rahmen der jährlichen CGI-Umfrage „Voice of the Client“ wurden neben steigenden Sicherheitsanforderungen und regulatorischen/gesetzlichen Herausforderungen vor allem der notwendige Umbau der vorhandenen IT als Hürde bei der Digitalisierung angegeben. Während alle Unternehmen die Digitalisierung anstreben und Themen wie Automatisierung, umfassendere Nutzung von Datenbeständen und 24/7- bzw. Real-Time-Verarbeitung auf der Agenda stehen, kämpfen die meisten Unternehmen mit einer sinnvollen Überarbeitung ihrer vorhandenen IT.

Lösungen sind nicht einfach

Vor allem Endkunden sind hier besonders anspruchsvoll, was einen möglichst schnellen und einfachen Einsatz neuester Technologien in der Interaktion mit ihrem Finanzpartner angeht. Gerade durch die Einführung von Instant Payment wird vielen Unternehmen bewusst, dass sie ihre Abläufe und Ihre IT-Systeme offener, flexibler und agiler gestalten müssen, um diese Transformation bedienen zu können. Leider gibt es dafür keine einfache Lösung.

Banken müssen ihre Produkte und Dienstleistungen mit ihrer Technologie über eine gemeinsame Entwicklungsplanung („Roadmap“) verbinden. Bankprodukte müssen hinsichtlich ihrer Positionierung beim Kunden, den verwendeten Daten und Funktionen bewertet werden. Ausgehend von den vorhandene Elementen, braucht es dann eine entsprechende Evolution – oder in einigen Fällen vielleicht auch eine Revolution, etwa durch die digitale Integration von FinTechs oder anderen Geschäftspartnern. Davon abgeleitet, entstehen dann die Anforderungen an die Technische Architektur und Plattformen wie z.B. die Möglichkeit, realtime Datenflüsse oder Verarbeitungen zu integrieren und diese über verschiedene Kanäle „parallel“ zu bedienen, ohne dabei Sicherheit und Stabilität zu beeinflussen. Dass das Ganze dann auch noch kostengünstig und schnellstmöglich unter Nutzung neuester Technologien geschehen soll, spiegelt sich dann auch im Unterschied der Gewichtung von Prioritäten zwischen Business und IT wieder.

Vorsicht vor technischen Schulden

Aus den Prioritäten der Vergangenheit, aber gerade auch durch die schneller werdenden, agilen Entwicklungszyklen, entstehen dabei sogenannte „Technische Schulden“ („Technical Debt“). „Technical Debt“ umschreibt die Risiken in den IT-Systemen, die durch nicht optimale Implementierung, fehlende oder verspätete Updates oder sonstige Lücken entstanden sind. Und die Unternehmen aufgrund des zusätzlichen Arbeits- bzw. Zeitaufwands gerade - durch eine laufende Transformation in Richtung Digitalisierung - nicht zu einer Lösung in der Lage sind.

Besonders die Agilität und Anpassungsfähigkeit der IT-Systeme wird durch steigende technische Schuld stark negativ beeinflusst. Je stärker die technische Schuld wächst, desto langsamer kann das System auf Anpassungen, Änderungen und Erweiterungen reagieren. Es ist daher von hoher Bedeutung, sich die „Technical Debt“ der heutigen IT-Landschaft vor Augen zu führen und diese möglichst gering zu halten. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass technische Schulden unter allen Umständen zu vermeiden sind. Sollte es notwendig sein, dass eine bestimmte Änderung zeitnah umgesetzt wird, ist es tatsächlich sogar ratsam, technische Schulden aufzunehmen. Wichtig ist dabei aber, diese Entscheidung bewusst zu fällen und die entstandene technische Schuld so schnell wie möglich wieder auszugleichen.

IT-Modernisierung und Application-Optimierung

CGI unterstützt Unternehmen auf verschiedene Weise bei einer IT-Modernisierung. Im Rahmen von Transformationen gehen CGI-Experten mit dem Kunden u.a. die Cloudifizierungen und Migrationen in Richtung Cloud Native an. Sie coachen oder arbeiten gleich mit in Agilen Projekten und liefern gemeinsam entsprechende IT-Services an die jeweilige Organisation.

In diesem Umfeld hat CGI eine spezifische Herangehensweise zur Bewertung und Beseitigung der technischen Schuld entwickelt und in ihre Dienstleistungen integriert. Im Rahmen des „Application Service Optimization Program“ („ASOP“) nutzt CGI verschiedene Werkzeuge zur Erfassung und Bewertung des Anwendungsportfolios und anderer Aspekte der IT. So werden z.B. Anwendungen gescannt und anhand von vorgegebenen Werten Kennzahlen ermittelt, die u.a. die Qualität des Quellcodes, die Komplexität, die Wartbarkeit oder andere Risiken, etwa bei der Verwendung von OpenSource oder „Legacy Plattformen“, bewerten. Wichtig ist dabei, dass diese Bewertung „mechanisch“ unterstützt wird und so die Messungen z.B. nach einem neuen Release oder nach einer Plattform-Migration automatisch wiederholt werden können. Damit können die Änderungen, z.B. durch hinzugefügte oder reduzierte Komplexität, bewertet und im Idealfall durch eine entsprechende Planung über die Zeit ausgeglichen werden.

CGI hat diese Vorgehensweise in seine Anwendungsmanagement-Dienstleistungen integriert und mit anderen Aspekten zur Messung und Optimierung verbunden. Die Kosteneinsparungen, aus den so gewonnenen Produktivitätssteigerungen und sonstigen Maßnahmen erzielt, werden dabei in Absprache mit dem Kunden direkt oder indirekt reinvestiert, um so schrittweise die technische Schuld zu reduzieren.

Auf diese Weise werden also nicht nur die Gesamtkosten reduziert. Durch ein bewusstes Management der technischen Schulden wird obendrein die Möglichkeit geschaffen, vor allem bei Banken Teile der IT-Risiken zu reduzieren oder diese Risiken auch für neue Anwendungen oder Anpassungen zumindest transparent zu machen.

Weitere Informationen in unserer englischen Broschüre: CGI Application Services Optimization Program

Über diesen Autor

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Dalibor Tokic

Director Consulting Services

Dalibor Tokic ist Director Consulting Services im Bereich Public & Private Bank mit den Schwerpunkten Portale & Content Management. Mit seinem Team erbringt er zu diesen Schwerpunkten Dienstleistungen, Gewerke und Services in der Finanzdienstleistungsbranche und berät seine Kunden auf ihrem Weg zu mehr Digitalisierung.