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Vom Maschinenraum auf die Brücke – die erstaunliche Karriere der IT

Technischer Fortschritt ist die exponentielle Entwicklung von Brückentechnologien, die bei Erreichen ihres Gipfels von der nächsten Technologiegeneration abgelöst werden. Dieses Prinzip habe ich im ersten Teil dieses Blogs skizziert. In diesem zweiten Teil werfen wir gemeinsam einen Blick darauf, welche Implikationen dies für Unternehmen hat, wie sich die Rolle der IT hierbei verändert und wie sie es für sich am besten nutzen können.

Schauen wir uns dazu eine ganz einfache Statistik an: Im Jahr 2006 kamen fünf der sechs Top-Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung aus IT-fremden Branchen wie Manufacturing oder Finanzwesen. Nur Microsoft war mit dabei. Zehn Jahre später hatte sich das Verhältnis bereits umgedreht: Lediglich ExxonMobile störte noch den elitären IT-Club von Microsoft, Facebook, Google, Apple und Amazon. Und auch das ist schon wieder Historie. Der Öl-Multi hat sich schon längst aus dem Top-Ranking verabschiedet. Das illustriert die dramatisch gestiegene Bedeutung der IT. Ein ebenso wichtiger Aspekt ist die Entwicklung der Halbwertszeit erfolgreicher Unternehmen. In den Sechziger Jahren (der Entstehungszeit von Moore‘s Law) durfte sich ein Unternehmen im Schnitt über 60 Jahre im S&P 500 Index sonnen. Heute sind es nur noch 18 Jahre, mit weiter abnehmender Tendenz. 

Der Veränderungsdruck, mit dem sich Unternehmen konfrontiert sehen, wächst ständig weiter und kann nicht ignoriert werden. Und der ist ohne schnelle und agile IT-Unterstützung heutzutage nicht mehr lösbar. Wobei Unterstützung eigentlich der falsche Begriff ist. Denn der Paradigmenwechsel der sich gerade vollzieht, betrifft auch die Wechselwirkungen zwischen Business und IT. Bislang wurden Geschäftsmodelle definiert und daraus Anforderungen an die Enterprise-IT definiert. Und die hat daraus IT-Konzepte abgeleitet, deren Umsetzung häufig sehr viel Zeit, manchmal sogar Jahre, in Anspruch genommen hat. Das hinterließ nicht selten Frustration auf beiden Seiten. Doch dieser Aufgabe ist die IT längst entwachsen. Da sich die Möglichkeiten durch moderne Technologien wie Cloud Computing, Intelligent Automation oder Artificial Intelligence deutlich erweitert haben, ist die IT endlich zum Business-Treiber geworden und löst ihr uraltes Versprechen ein. Automobilhersteller zum Beispiel verstehen sich zunehmend als Softwareunternehmen. Die IT ist mittlerweile schnell, agil und öffnet Wege für neue Geschäftsmodelle, Kundeninteraktionen oder Services, die in Zeiten vor den aktuellen technologischen Fortschritten undenkbar waren.  

So entsteht ein massiver Druck für praktisch alle Unternehmen, diese auch zu nutzen. Stehenbleiben gilt jedenfalls nicht, sonst wird man von der Konkurrenz überholt. Release-Zyklen von mehreren Monaten oder gar Jahren für Software-Updates sind heute völlig inakzeptabel.

Auch die Interaktion von Unternehmen mit ihren Kunden und Partnern profitiert enorm von den neuen Technologien, die die jüngste IT-Generation anbietet. Kunden erreicht man immer häufiger am Smartphone oder Tablet. KI-gestützte Dialogsysteme wie Conversational AI, werden immer „menschlicher“ und übernehmen mehr und mehr die Aufgaben von Service-Mitarbeitern. Diese Verschiebung und Erweiterung der Kommunikationskanäle ist nicht nur ein Schnittstellenproblem, es verändert auch die Geschäftsmodelle und damit die Geschäftsprozesse. Dafür werden neue Datenmodelle, Analysefunktionen und agile Anwendungen benötigt, die wiederum nur dann funktional sind, wenn Business- und IT-Funktionen intensiv miteinander interagieren. 

Anwendungsintegration und Intelligent Automation sind einer der Schlüssel zu dieser Verzahnung von Geschäftsprozessen und IT-Anwendungen. Cloud-Architekturen mit Microservices und DevOps-Unterstützung erlauben eine um ein Vielfaches schnellere Software-Entwicklung. Das gilt sowohl für die internen Prozesse, als auch für die Schnittstellen mit Partnern und Kunden. Bei beiden ist Robotic Proces Automation (RPA) ein äußerst hilfreiches Werkzeug. Es kann sowohl helfen, die Prozessintegration massiv zu beschleunigen, als auch die Kundenschnittstelle zu verbessern. Auch hier gilt wieder: Es gibt keine Alternative dazu, diesen Weg zu gehen. Idealerweise geht man ihn, bevor es ein Anderer tut.

Bei all diesen Überlegungen darf eins nicht vergessen werden: Der Vorsprung von heute ist der potenzielle Rückstand von morgen. Womit wir wieder am Anfang des Blogs und Moores Gesetz vom exponentiellen Charakter der Technologieentwicklung sind. Schnelligkeit und Agilität sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzungen für den Erfolg von Unternehmen und ganzen Wirtschaftszweigen in einem sich immer schneller ändernden Wettbewerbsumfeld. IT ist dafür Treiber und Lösung zugleich. Daher gehört der jetzige Zeitabschnitt mit seinen faszinierenden, bahnbrechenden IT-Lösungen zu einer der spannendsten Phasen für mich. Ich freue mich auf die nächsten Jahre und bleibe trotz mancher Schwarzmalerei ausgesprochen positiv und wage die Behauptung, dass die IT unsere Unternehmungen und die Art wie wir Geschäfte lenken und betreiben nachhaltig verändern wird. Sie wird auch unsere Zukunft und Gesellschaft nachhaltig verändern und helfen, auf viele unserer gesellschaftspolitischen Probleme wie Umweltverschmutzung oder Bevölkerungswachstum machbare Lösungen zu finden.  

Über diesen Autor

Torsten Straß, CGI

Torsten Straß

President Central & Eastern Europe

Torsten Straß leitet die CGI Strategic Business Unit Central & Eastern Europe bestehend aus den Ländern Deutschland, Niederlande, Slowakei und Tschechien.