Teil 1: Das neue Geldwäschegesetz, Umsetzung der 3. und 4. Geldwäsche-Richtlinie sowie aktuelle Tendenzen in der Bekämpfung von Geldwäsche. 

Das neue Geldwäschegesetz

Es hat sich etwas getan in der Bekämpfung von Geldwäsche. Gerade in den letzten fünf Jahren haben sich in Deutschland und Europa zahlreiche Regularien hierzu verschärft. Gesetzlich geregelt ist dies national vor allem in der Neufassung des Gesetzes über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz - GWG) sowie im EU-Raum in der 4. Geldwäsche-Richtlinie.

Hintergrund zur Änderung in Deutschland war vor allem der Hinweis der Financial Task Force on Money Laundering (FATF) auf deutliche Schwächen in den Rechtssystemen. Auch die EU forderte seinerzeit noch unter der 3. Geldwäsche-Richtlinie die Bundesregierung auf, diese Vorschrift nunmehr vollständig umzusetzen. Somit wurde das GWG Ende 2011 umfassend reformiert, die Neuregelungen wurden zum größten Teil am 29.11.2011 umgesetzt, die übrigen traten per 01.03.2012 in Kraft. Neben wesentlichen formalen Modifikationen wie:

  • Anforderung an „sonstige Verpflichtete“ sind deutlich höher geworden
  • Verstärkte Verpflichtung auch für die Aufsichtsbehörden
  • Bußgeldkatalog wurde konkretisiert
  • Änderung des § 2 Abs. 1 GWG (Änderung des Verpflichtetenkreises)

fallen mit Hinblick von den organisatorischen und Sorgfaltspflichten weitreichende Anforderungen an die Adressaten an. Besonders die so genannten Auslösetatbestände, die sich bei Vorhandensein gewisser Situationen entfalten, können schnell das komplette Institut oder Unternehmen betreffen. § 3 Abs. 2 GWG zählt die Auslösungen u. a. wie folgt auf:

Es tut sich was in der Bekämpfung der Geldwäsche

 

Die Bekämpfung von Geldwäsche als relevanter Teil der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Top-Priorität für das Senior Management

Die Thematiken rund um die Bekämpfung von Geldwäsche stellen für Finanzdienstleister einen relevanten Teil in der Bekämpfung und Prävention von Wirtschaftskriminalität dar. Auch und gerade im Management- bzw. Geschäftsführungskontext.

Zahlreiche Studien sagen aus, dass fast 90 % aller TOP 100 Finanzdienstleister bestätigen, dass die Fragen rund um Geldwäsche oberste Priorität für das Senior Management sind. Dies liegt vor allem daran, dass:

  • Die Kosten für AML-Compliance stetig steigen
  • In den meisten Häusern durch internationale Präsenz ein globaler Approach getätigt werden muss, verbunden mit komplexen Vorgängen wie:
    • Management von PEP-Listen, inklusive der Involvierung von Senior Management in sign-off-Prozesse
    • KYC (Know Your Customer), ein Punkt, der im Focus auch von Audits steht
    • Sanctions Compliance

Neben diesen klar zu definierenden Prioritäten können andere Vorgänge nicht so genau abgegrenzt werden oder Bereiche wie die Prävention von anderen Arten der Wirtschaftskriminalität betroffen sein.

Gerade bei den Finanzdienstleistern kristallisieren sich Tendenzen mit verbundenen Herausforderungen heraus:

Die Muster von Wirtschaftskriminalität

  • sind so komplex wie niemals zuvor
  • Regulatoren stellen keine einheitlichen Anforderungen, die Vorgaben sind multipel
  • Regulatorische Vorgaben zu KYC/CDD umfangreich
     

Traditionelle Herangehensweise ist veraltet

  • Delinquenten überwinden die Schutzmechanismen von Finanzdienstleistern
  • Silos von einzelnen Anwendungen führen nicht mehr zur gewünschten Effizienz/Effektivität
     

Kosten steigen stetig

  • Sanktionen steigen
  • Immaterieller Schaden kann massiven Reputationsverlust bedeuten

 

Teil 2 folgt im nächsten Blog: Hier beschäftigt sich die Autorin mit der Bedeutung von Artifizieller Intelligenz im automatisierten Onboarding-Prozess von Finanzdienstleistern im Rahmen der 4. Geldwäsche-Richtlinie. 

Über diesen Autor

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Elif Morgenroth

Practice Head Anti-Money Laundering & Financial Crime Management

Elif Morgenroth ist Executive Consultant und arbeitet seit 2011 für CGI. Frau Morgenroth erweitert und etabliert weltweit unsere Beratung im Bereich Prävention von Wirtschaftskriminalität. Sie hat Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Strafrecht/Kriminologie studiert, dies unter anderem in München, Mannheim und USA/Kanada. Sie hat eine breite Expertise ...

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